02.08.2018

„Unheimlich viel Innovationspotenzial“ Unser Geschäftsführer Alexander Glasmacher spricht über die Zukunft der Assistenzsysteme in der Intralogistik.

Welche Rollen spielen Assistenzsysteme in der Intralogistik heute?

Leider eine noch viele zu kleine. Mittlerweile sehen wir insbesondere in Deutschland, aber auch international, einen steigenden Aufmerksamkeitsgrad. Und das ist wichtig, denn auch heute noch gibt es im Lager oftmals Unfälle mit Gabelstaplern. Assistenzsysteme, wie wir sie aus der Automobilindustrie kennen, tragen wesentlich dazu bei, Unfälle zwischen Fahrzeugen und Personen, aber auch zwischen zwei Gabelstaplern, zu verhindern. Natürlich ist das jetzt etwas marktschreierisch. Aber ich versuche – auch bei Vorträgen –, so ganz bewusst die Notwendigkeit von Assistenzsystem in der Intralogistik aufzuzeigen.

Welchen Einfluss haben die Entwicklungen aus der Automobilindustrie?

Die Technologietrends aus der Automobilindustrie sind für uns eins zu eins nutzbar. Zwei Entwicklungen aus der Branche werden die Entwicklung von Assistenzsystemen für Gabelstapler stark prägen. Das ist zum einen die Verbesserung der Mensch-Maschine-Schnittstelle. Wie bedient ein Fahrer ein Assistenzsystem auf einem Fahrzeug? Da gibt es unheimlich viel Innovationspotenzial, zum Beispiel durch die Nutzung von mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets. Hier sind wir mit der Bedienung und Menüführung vertraut. Ich denke, dass die Hardware in Zukunft die Basis von Assistenzsystemen im Flurförderzeug bildet.

Zum anderen ist da die Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation. Wenn wir heute aus dem Fahrzeug heraus telefonieren, brauchen wir Mobilfunk, das heißt, ein übergeordnetes Funksystem. In Zukunft werden die Fahrzeuge zunehmend miteinander und mit ihrer Infrastruktur kommunizieren. Dafür gibt es heute schon erste Beispiele wie unser Produkt ELOshield. Die dazugehörigen Terminals, mit denen wir die Fahrzeuge ausstatten, kommunizieren im Gigaherz-Bereich über Funk. Wenn zwei Stapler in einem Abstand von sagen wir einmal 15 Metern aufeinander zu fahren, warnen sie sich dann gegenseitig.

Heiß diskutiert wird auch das Thema autonomes Fahren. Welche Rolle spielt das bei Ihnen?

Auch hier profitieren wir von den Entwicklungen aus der Automobilindustrie. Insbesondere bei neuer Sensorik, die vermehrt auf den Markt kommt. Wir partizipieren aber auch bei dem Thema Sensordatenfusion. Um autonomes Fahren zu ermöglichen, braucht es nach dem heutigen Stand der Technik unterschiedliche Sensortypen auf einem Fahrzeug. Also zum Beispiel einen Lasersensor, ein Kamerasystem und ein radarbasiertes Sensorsystem. Die gesammelten Rohdaten werden dann zusammengeführt. Die daraus gewonnen Informationen ermöglichen eine dreidimensionale 360-Grad-Erkennung rund um das Fahrzeug, die wir auch bei Gabelstaplern nutzen können.

Wir untersuchen die Entwicklungen in der Automobilindustrie systematisch, um zu sehen, welche Technologien, ob Hard- oder Software, Sensorik oder Funk, wir in unseren Produkten einsetzen können. Deswegen erleichtern es uns die Entwicklungen rund um das Thema autonomes Fahren, unsere Produkte zu verbessern und neue zu kreieren. Ähnlich wie auch die Robotertechnik.

Wie wirkt sich diese auf die Entwicklung von Assistenzsystemen aus?

Immer wichtiger wird das Thema automatisches Kommissionieren durch Cobots, also kollaborative Roboter. Das sind Fahrzeuge, die selbstständig durch ein Warenlager fahren und mit einem Greifarm ausgestattet sind, mit dem sie aus einem Regal alle möglichen Produkte picken und anschließend an einen Kommissionierplatz fahren. Kollaborativ deshalb, weil diese Roboter mit Personen zusammenarbeiten. Mit diesem Bereich beschäftigt sich unsere Forschung intensiv. Die Frage ist: Wie können wir auch bei fahrerlosen Transportsystemen – insbesondere im Bereich Picksysteme – Produkte anbieten? Da steckt unheimlich viel Potenzial drin. Für uns ist das die Kür. Unsere Kernkompetenz ist heute aber die Entwicklung von Sicherheits- und Assistenzsysteme für bemannte Gabelstapler. Auch hier gibt es unheimlich viele Ideen, wie wir unsere Produkte weiterentwickeln können.

Zum Beispiel?

Über digitale Plattformen, Cloud Computing und unterschiedliche Funkinfrastrukturen sehen wir die Möglichkeit, ganz neue Produktlösungen anzubieten. Insbesondere über Cloud Computing. In diesem Bereich arbeiten wir derzeit an einem neuen Flottenmanagementsystem, für das unsere Kunden hausintern keine Software mehr installieren müssen. Stattdessen können sie alle Daten, die wir mit unseren Systemen auf den Gabelstaplern sammeln, über eine Cloud-Applikation einsehen. Dashboards und Data Analytics werten diese automatisch aus.

Oder auch das Thema Indoor-Lokalisierung, also die zentimetergenaue Ortung einer Person oder eines Fahrzeugs innerhalb des Warenlagers. Wenn eine Person mithilfe eines Assistenzsystems genau lokalisiert werden kann, können viele gefährliche Situationen im Vorfeld abgewendet werden. Und das ist wichtig, wenn Menschen und Maschinen in einem Lager zusammen arbeiten.

Abschließend ein Blick in die Zukunft: Wie sieht Ihrer Meinung nach das Flurförderzeug in einigen Jahren aus?

Das Flurförderzeug der Zukunft wird ähnlich wie das Auto heute mit einer Vielzahl von Assistenzsystemen ausgestattet sein. Für die Entwicklung neuer Systeme und die Ausdifferenzierung bestehender Produkte spielen die Technologietrends aus der Automobilindustrie eine entscheidende Rolle. Die intelligente Verheiratung von Software, Sensorik und Funk wird zunehmend stark über Wettbewerbsvorteile auch bei Flurförderzeugen entscheiden. Den disruptiven Wandel, den wir derzeit durch die Digitalisierung und die Entwicklungen hin zum autonomen Fahren erleben, interpretieren wir als große Gelegenheit für noch innovativere Flurförderzeuge-Assistenzsysteme sowie für ganz neue Produkte in der Intralogistik.

Unser Geschäftsführer Alexander Glasmacher im Interview.
Unser Geschäftsführer Alexander Glasmacher im Interview.